und die wunderschönen Videos von seinen Spaziergängen dachte ich mir, dass das auch für Remy gut sein könnte.
Remy ist sehr viel auf dem Balkon, selbst bei den jetzigen Temperaturen, und äußerst interessiert an allen Vorgängen draußen.
Und für sein Gangbild kann das Laufen von vielleicht demnächst längeren Strecken als seine Spurts in der Wohnung ja nicht verkehrt sein.
Also hab ich überlegt, morgen Geschirr und Leine zu kaufen (ohne würde ich mich keinesfalls trauen, Raketen-Remy kann äußerst schnell sein) und bei trockenem Wetter in den nächsten Tagen vorsichtig zu beginnen.
Soweit der Plan.
Dann kam aber vorhin die Sonne raus...
...also hab ich mir ne dicke Schnur gegriffen und ein behelfsmäßiges Geschirr geknotet und es Remy angezogen. Durch das Lauftraining in der Frettchenhängematte ist er es gewöhnt, etwas am Körper zu spüren...so war das Überstreifen des "Geschirrs" kein Problem.
Langes Stück Schnur rangeknotet, Remy aufn Arm genommen...
...und mit ihm rausgegangen
Ich bin sehr langsam durch den Hausflur nach draußen gegangen und habe ihm Zeit gegeben, die neuen Eindrücke aufzunehmen.
Mein Balkon geht nach vorne raus und so hab ich mich mit Remy auf dem Arm zunächst auf die Wiese vor unserem Haus gesetzt. Die Geräusche und Gerüche waren ihm also nicht völlig unbekannt.
Er war aufgeregt und schnuckelte sich in meinen Arm, schaute aber mit großen Augen interessiert um sich.
Als er sich nach einigen Minuten immer mehr entspannte und anfing, zu strampeln, hab ich Remy ins Gras gelegt.
Er lag ganz ruhig, blickte um sich und staunte. Ich mußte ein paarmal tüchtig schlucken...es war so rührend und schön.
Allmählich bekam er mehr Körperspannung, wendete sich hier- und dorthin und fing an, Gras zu knabbern und mit Blättern zu spielen.
Nach einer Weile richtete er sich auf...
...und stiefelte vorsichtig los.
Hier kann man gut sehen, wie er seine Bewegungen mit dem Schwanz ausbalanciert und wie dick und muskulös sein Schwanz mittlerweile dadurch ist.
Er ist ungefähr zwanzig Minuten herumgelaufen (in einem Radius von ca. 10 Metern) und hat sich neugierig alles angeschaut.
Dann hab ich ihn genommen und langsam wieder ins Haus und zurück in die Wohnung getragen.
Hier wurde er ausgiebig von allen beschnuppert und hat sich dann recht bald in seinen Schlafiglu gelegt und schläft jetzt tief und fest. Er hat ja auch ne Menge Eindrücke zu verarbeiten!
Ich bin so froh, das ich auf diese zusätzliche Möglichkeit, Remy Reizen auszusetzen und das Laufen zu trainieren, aufmerksam geworden bin durch Angels Beispiel. Allein wäre erstens gar nicht darauf gekommen und hätte es mich wohl auch nicht getraut.
Es war ein ganz wunderschönes und berührendes Erlebnis, ihn da draußen zu erleben! Ich freu mich schon auf den nächsten "Katerspaziergang"!
Hab kaum Zeit, will euch aber kurz auf den neuesten Stand bringen (und paar neue Pfoddos einstellen):
Nachdem der kleine Entdecker kein Trauma davongetragen hat, sondern nach dem ersten Spaziergang ganz ausgeglichen war, werde ich das jetzt wohl regelmäßig mit ihm machen und Remy mit in die große Welt nehmen.
Ich habe von Angel gelernt, dass jeder zusätzliche Reiz einem Ataxisten hilft, zusätzliche Verknüpfungen im Gehirn zu bilden. Also werde ich ihm die Reize bieten, er scheint bereit dafür.
Ich muß da wohl umdenken...mit einer gesunden Katze würde ich das nicht wagen...aber Remy ist nicht so wendig wie gesunde Katzen; er ist aufgeschlossen und neugierig...und er scheint zu merken, dass ihm nichts passiert, wenn ich bei ihm bin.
Gestern abend sind wir dann zum FN gefahren...und zwar so:
Alten Karton auf Beifahrersitz, alten Pullover von mir rein, Remy reingelegt, mich ins Auto gesetzt, geschmust und abgewartet.
Wie man unschwer erkennt, fühlte er sich total wohl und blieb einfach ruhig und vertrauensvoll im Karton liegen (er liebt Kartons und liegt hier auch ständig in Kartons...den Transportkennel dagegen haßt er), also bin ich mit ihm die zwei Straßen weiter zum FN im Karton gefahren. Eine neue Transporttasche ist bestellt und kommt morgen...die soll dann nur für Remy und seine Ausflüge sein und für ihn nur mit angenehmen Eindrücken verbunden sein.
Ich hab ihn dann auf den Arm genommen und in den FN getragen. Dort hat er Geschirre anprobiert und schließlich ein Original Julius K9-Geschirr bekommen (zum Piepen süß in der Minigröße) und eine kleine Flexileine.
Nun gibt es ja die Klett"bäbscher" für seitlich ans K9...die jedem direkt Auskunft darüber geben, welcher Art der Inhalt des Geschirrs denn sei...so sinnige Sachen wie: Kampfdackel, Monster, Allesfresser etc.
Ja...*räusper* ich gestehe...ich konnte nicht wiederstehen...schließlich muß die Öffentlichkeit gewarnt werden...jeder, der uns begegnet, muß wissen, woran er ist...!
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Und so präsentiere ich euch Remy in seiner neuen Ausgehuniform:
Natürlich sind wir dann zur Wiese gefahren...ich hab mich neben ihn gesetzt, er lag im Gras...
...und hat sich dann wieder vorsichtig daran gemacht, die Welt zu erobern.
Da liegt er...im Sonnenuntergang...Remy Schmusebacke... *seufz*
Heute haben wir das "Tussitäschchen" ausprobiert...!
So sieht es aus...
...den Netzeinsatz kann man komplett entfernen...
...und ganz aufgemacht ist es quasi ein Kuschelkörbchen.
Und soll ich euch was sagen? Es ist genial!!!
Remy bekam sein Geschirr an und dann legte ich ihn in die Tasche und hakte den Sicherheitshaken ein. Dann hab ich den oberen Reisverschluss zugezogen und Remy lag ruhig und friedlich in seiner Kuscheltasche.
Ohne Netzeinsatz gings dann los...
...so sieht´s also ab jetzt aus, wenn Remy und Claudi on Tour gehen...!
Im Auto hab ich die Tasche auf´n Beifahrersitz gestellt und geöffnet...Remy lag ganz ruhig und zufrieden da.
Hier sieht man, wie er in der Tasche gesichert ist.
Autofahren mit Remy? Keine Sache! Er ist entspannt!
Heute sind wir zu meiner Freundin gefahren und haben uns dort im Garten ins Gras gesetzt und Remy hat (zunächst aus dem sicheren Hort seiner Tasche, später im Gras neben meinem Bein hockend) den Kindern beim Toben und dem Nachbarn beim Graben zugeschaut.
Ich forciere dabei nichts...er entscheidet selbst, ob und wann er seine Zuflucht verläßt und sich fortbewegt.
Sein Geschirr hab ich ihm dann auf´m Rückweg nicht mehr angezogen...Remy liegt einfach zufrieden und staunend in seiner Tasche, reckt das Köpfchen heraus, schaut hierhin und dorthin und saugt die neuen Eindrücke in sich auf. Ich trag die Tasche jetzt nicht mehr umgehängt, sondern knapp über dem Erdboden...so hat Remy dieselbe Perspektive, als würde er selbst laufen.
Die Rückfahrt verlief wie die Hinfahrt und vom Auto zum Haus hab ich ihn auf die gleiche Weise getragen.
Und wisst ihr, was total schön war?
Remy lag den ganzen Weg still beobachtend in seiner Tasche, durch den Hausflur...in den Aufzug...und als sich dann in meiner Etage die Aufzugtüren öffneten, brachte er eine Vorderpfote aus der Tasche und stellte die Pfote auf den Boden, dann schaute er zu mir hoch, als wenn er sagen wollte: "Hey, ich kenn jetzt den Weg...darf ich?".
Ich sagte zu ihm: "Na los, Remy, geh nach Hause, lauf...!" und er krabbelte aus der Tasche und wackelte um die Ecke zu unserer Wohnungstür und hockte sich davor auf die Fußmatte.
Ich hatte Tränen in den Augen...! Wir sind diesen Weg bisher an drei Tagen gegangen und er war auf meinem Arm...!
Als ich aufgeschlossen hatte, richtete er sich auf und marschierte regelrecht selbstbewußt durch die Spalier stehenden Katzenkumpels und lies sich huldvoll abschnuppern.
Zitat von JaniRemy ist einfach unglaublich! Wie souverän er ist! Vor allem beim Autofahren! Da wird man richtig neidisch
Wurdest du bei deinen Touren schon mal von Passanten angesprochen?
Ja, Jani, schau mal (ich zitier mich mal selbst):
Und Marion, du hast recht...JEDER spricht mich an!
Schon im Freßnapf...ich kam rein mit Remy auf´m Arm...alles glotzte und staunte Bauklötze...an der Kasse standen Leute mit einer Dogge...die Dogge kuckte hoch zu Remy, Remy kuckte runter auf die Dogge und ich hab wirklich drauf gewartet, dass Remy der Dogge die Zunge raus streckt...alle Anwesenden haben sich weggeschmissen vor Lachen...wohlwollendes, anerkennendes Lachen für eine Handvoll Mut auf meinem Arm.
Ich kann mich an ein Telefonat mit Ingrid (Katzenmama) erinnern...Remy war gerade aus der TK und ich knabberte noch schwer an den Aussagen bzgl. mangelnder Lebensqualität, Euthanasie etc.! Ich weiß um meine Begabung, Geschichten zu erzählen, die die Menschen berühren und ich erzählte Ingrid, dass ich mir fest vorgenommen hatte, Remys Geschichte publik zu machen, sie zu erzählen wo immer ich konnte (so wie ich es mit seinen Geschichten ja auch tat...in Facebook, in Foren und jetzt im eigenen Blog)...ich wollte mithelfen, den Ataxisten eine laute Stimme zu geben: "Hier, schaut her, schaut uns an, wir LEBEN, wir leben gut und gerne, LASST UNS LEBEN!!!
Aber in diesen drei Tagen, in denen ich jetzt mit Remy in die Öffentlichkeit gehe und natürlich jedem, der uns anspricht, von seiner Behinderung und seinem Leben erzähle, merke ich, wie Remy selbst zu einem Botschafter FÜR die Lebensfreude behinderter Katzen wird, in einem Maße, wie es Geschichten über ihn nur unzulänglich können.
Es läuft immer gleich ab: die Menschen sprechen mich oder Remy direkt an, wie niedlich und hübsch etc. er ist. Die, die genauer schauen, fragen, ob er krank ist, die nicht fragen, bekommen es erzählt. Zunächst herrscht große Betroffenheit, die sich aber immer ganz schnell in Staunen und Bewunderung wandelt, wenn die Menschen Remy länger ansehen, ihn streicheln (er hat sein Schildchen nicht umsonst... wenn Menschen sich ihm vorsichtig nähern, er an der Hand schnuppern darf hält er sein Köpfchen hin und genießt es, gestreichelt zu werden) und sehen, wie er sich verhält und sein Draußensein genießt.
Die Menschen stellen Fragen, sind interessiert und oft ganz positiv erstaunt, dass es Katzen mit unterschiedlichsten Behinderungen gibt, die gut und gerne leben...und dass es FOREN für behinderte Katzen gibt, in denen man sich Rat holen und sich austauschen kann. Ich habe mir sogar schon den Link der Sonnenkätzchen auf kleine Zettelchen gedruckt und in der Tasche...einige Menschen, die echtes Interesse an dem Thema hatten, haben flugs den Zettel in die Hand gedrückt bekommen...so werde ich demnächst dem ein oder anderen "unseren" Flyer überreichen.
Versteht mich nicht falsch...es geht nicht darum, Remy "vorzuführen"...ich setze mich mit ihm auf eine Wiese und beschäftige mich mit ihm...alles andere ergibt sich...und wenn Remy mir signalisiert, etwas behagt ihm nicht oder macht ihm Angst, würde ich direkt reagieren und ihn aus der Situation rausnehmen. Aber es ist eher, als sauge er die neuen Eindrücke und Kontakte wie ein Schwamm auf...wie Bibi schon schreibt, er ist echt kein Angsthase...das erstaunt mich am meisten.